Der erste Flyer: hier ansehen

Die Ortsgruppe Treptow-Köpenick steckt mitten in den Vorbereitungen für eine großartige Aktion zum Jahreswechsel: Bäume statt Böller. Wir möchten die Berliner*innen dazu animieren, ihr Geld für neue Bäume zu spenden, anstatt davon Feuerwerk zu kaufen. Durch die Herbststürme in 2017 und die extreme Hitze im Sommer 2018 sind nämlich zahlreiche Berliner Bäume abgebrochen oder vertrocknet. Sie müssen ersetzt werden, um die Löcher in der Lunge unserer Stadt zu stopfen. Das soll mit einer Pflanzaktion im Frühjahr passieren, die die Spender*innen mitgestalten können. Wenn möglich, wollen wir bei dem Projekt mit dem BUND zusammenarbeiten.
Heidi lässt uns in einem Tagebuch an der Planung und Umsetzung dieses Projekts teilhaben:


15.10.2019:
Der Artikel „Utopien müssen tanzbar sein“ im Magazin „Hintergrund“ 2/2019 inspirierte mich so sehr, dass ich den Tenor in groben Zügen im Orga-Treffen vortrug: Weil Katastrophenszenarien und moralische Appelle nicht sexy sind, werden sie von einem Großteil der Bevölkerung ausgeblendet. Es braucht positive Projekte im lokalen Umfeld, mit denen sich die Menschen identifizieren können und dadurch die Notwendigkeit von Klimaschutz begreifen. Beweise dafür liefert auch der Dokumentarfilm „Tomorrow“.
Mein Gefühl: Der Gedanke stieß vor allem bei Teilnehmerinnen auf Interesse.

29.10.2019:
Beim Orga-Treffen der Parents wies ich noch einmal auf das Baumprojekt hin und stellte es dann in der Kleingruppe detailliert vor. Schwerpunkt des Projekts ist ein offener Brief an die Berliner Bevölkerung, veröffentlicht in einer Berliner Tageszeitung. Andrea, zwei Heidis, Cornelia und Doreen beschlossen, dieses Projekt zu realisieren.

05.11.2019:
Das Gespräch mit drei Fachreferenten des BUND war sehr informativ, weil die Organisation früher eigene Baumkampagnen durchgeführt hat. Seit 2012 ist die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz für den Schutz der Bäume in Berlin verantwortlich. Deshalb empfahl uns der BUND, die dort vorhandenen Strukturen und Angebote zu nutzen, um die eingesammelten Spendengelder aufstocken zu lassen und so eine Pflanzaktion im Frühjahr zu ermöglichen.
Zur Info: Das Anpflanzen eines Baumes kostet rund 2.500 €. Ab einer Spendensumme von beispielsweise 500 € übernimmt die Stadtbaumkampagne die Restsumme von 2.000 € für jeden Baum.

Zwischendurch:
Es wird immer deutlicher, dass Bäume pflanzen in Berlin aus Haftungsgründen nur im Rahmen der Senatsverwaltung möglich ist. Pflanzaktionen, die wir mit den Spendern fürs Frühjahr angedacht haben, dürfen also nur durch diese Institution durchgeführt werden. Als weiteres Problem stellte sich das Spendenhandling heraus. Unsere ursprüngliche Hoffnung war, die Spendengelder über www.betterplace.org zu sammeln und damit dann eine Pflanzaktion zu starten. Da aber der BUND das Thema Stadtbäume in Berlin der Senatsverwaltung überlassen hat, bestimmt diese auch, dass Spenden für Bäume direkt auf einem Senatskonto eingezahlt werden müssen. Fazit: Die Rolle der Parents tritt bei diesem Projekt immer mehr in den Hintergrund. Deshalb steht die Entscheidung im Raum, ob wir weitermachen oder nicht. Letztendlich siegt die Motivation, dass wir als Parents mit einer konkreten Aktion die Berliner*innen für unser Stadtklima und damit für den Klimaschutz sensibilisieren wollen.

19.11.2019:
Der erste Textentwurf ist fertig und Andrea und ich stimmen ihn ab. In dieser Fassung fehlen aber noch konkrete Zahlen für die Baumschäden in den Jahren 2017 – 2019. Wir bitten die Baumspezialistin des Senats um Ergänzung, aber sie kann nicht helfen. Denn der letzte Straßenbaum-Zustandsbericht stammt aus dem Jahre 2015, der nächste folgt erst wieder Anfang 2021. Bereits damals galten mehr als 50 % der Berliner Bäume als krank. Verschlimmert wurde ihr Zustand durch die Herbststürme 2017 und die Hitzeperioden in den Jahren 2018 und 2019.

20.-22.11.2019:
Damit wir als Absender nicht allein unter dem Appell „Bäume statt Böller“ stehen und weil das Projekt sowieso über die Senatsverwaltung gesteuert wird, fragen wir dort an, ob wir sie als zweiten Absender mit aufführen dürfen. Obwohl das logisch, sinnvoll und für die Behörde auch werbewirksam wäre, müssen wir zuerst einen Antrag bei der Senatorin Regine Günther stellen.

25.11. – 29.11.2019 
Ich bitte also die Senatorin am 25.11. um ihre Unterstützung in Gestalt einer 2. Unterschrift und des Baum-Logos für den Flyer bzw. den Appell an alle Berliner*innen. Da der Klimastreik am 29.11. bevorsteht, will ich nicht bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag warten und setze als Deadline den 27.11. Am 26.11. bitte ich die Presseabteilung der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz um Unterstützung, da kaum zu erwarten ist, dass die Senatorin so schnell reagiert. Ich warte vergeblich bis zum 28.11. (und bis Anfang Dezember), aber dann entscheiden Andrea und ich, dass wir ohne die Unterstützung der Senatorin weitermachen.

In der letzten Woche vor dem Klimastreik hatte Andrea die Idee, dass wir zum Klimastreik unseren Appell „Bäume statt Böller“ bereits verteilen könnten. Aber so schnell, wie wir die Flyer brauchten, schaffte es keine der uns bekannten Öko-Druckereien. Also ließ ich 300 Exemplare im Copy-Shop drucken, und die Parents verteilten sie am 29.11.2019. 

30.11. – 08.12.2019
Eigentlich war aber der Druck von 3.000 Exemplaren geplant. Ich beauftragte eine Berliner Druckerei mit dem Druck, und die Flyer waren bereits am 03.12. fertig. Durch großzügige Spenden aus den eigenen Reihen konnte ich sowohl den Copy-Shop als auch die Druckerei bezahlen. Nebenher sammelte ich Ansprechpartner und Kontaktdaten aller Parteien in Treptow-Köpenick (außer AfD), die ich um Unterstützung unserer Aktion bitten wollte. 

Den  Auftakt für die Verbreitung des Flyers bildete ein Gespräch mit dem MdA Lars Düsterhöft. Der SPD-Abgeordnete sagte bereits im Vorfeld des Gesprächs seine Unterstützung für unser Projekt zu. Am 04.12. bekam er einen Stapel frisch gedruckter Flyer, die bis Mitte Dezember in eine SPD-Mitgliederinfo eingelegt werden sollen. Außerdem will er unsere Aktion auf seinem Facebook-Account posten. Insgesamt habe ich 12 Vertreter von Parteien oder Ämtern in Treptow-Köpenick  informiert und zum Teil  sehr positive Rückmeldungen bekommen. Außerdem liegen die Flyer in Geschäften aus, die sich schon bei früheren Aktionen „bewährt“ haben.

Beim Klimastreik am 29.11. traf ich zufällig die „richtige“ Redakteurin des „Tagesspiegel“ und signalisierte ihr unser Anliegen. Eigentlich wollte sie schon in der Ausgabe vom 05.12. unser Projekt vorstellen, aber wegen aktueller Ereignisse wird das (hoffentlich!) in der kommenden Woche passieren.