Briefe an die Bundeskanzlerin – #10

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,

was in diesen Wochen passiert kann einen schon mal nicht nur vom Kopf sondern auch emotional überfordern. Herauszufinden, in einem offiziellen Bericht zu lesen, dass die Ausrottung von1Millionen Arten bevorsteht, wenn es nicht ein schnelles und radikales Umsteuern der Menschen im Umgang mit Umwelt und Natur gibt, ist als wenn man vom Arzt seine Krebsdiagnose erfährt. Einen Tag vorher hat man noch 1000 Alltagsprobleme; am nächsten Tag gibt es nur noch ein einziges Problem. Am nächsten Tag geht es nur noch darum, um das eigene Leben und gegen die Zerstörung der eigenen Familie zu kämpfen.

Nichts aus den Schlagzeilen der letzten Wochen ist vergleichbar mit der katastrophalen Bedrohung, die die Klimakrise und die zerstörerischen Effekte des bedenkenlosen Konsumverhaltens und des Verbrauchs der Ressourcen durch Unternehmen rund um den Globus darstellen. Die vier Reiter der Apokalypse – generell vermutet im Machtmissbrauch, im Krieg, als Hunger und Tod – galten als die größte Bedrohung für die Menschheit. Heute müssen wir wohl das Neue Testament in Teilen umschreiben und die apokalyptische Bedrohung um Plastik, Emissionen, Abholzung der Wälder und der Bedrohung unseres Planeten durch den Menschen ergänzen.

Die Zeichen sind offensichtlich, die wissenschaftlichen Erkenntnisse nicht von der Hand zu weisen und Sie und ihre Regierung zögern immer noch. Für Sie ist es höchste Zeit und die allerletzte Chance endlich auf den Tisch zu hauen und ihr Kabinett aufzufordern, sektorübergreifend die Maßnahmen zu ergreifen, die notwendig sind, die erforderlichenReduzierungen des Ausstoßes von Treibhausgasen zu erreichen. Wir müssen bis 2030 bei Netto-Null sein, sonst haben meine Kinder keine Zukunft mehr. Wie hat Dr. Gregor Hagedorn von Scientists For Future am 17.05.19 im Invalidenpark beim Picknick For Future der Parents For Future gesagt:

„Ich denke, dass auch in einer 6-Grad-Welt noch Menschen auf diesem Planeten leben, aber nicht mehr so viele. Und die meisten Menschen, die dann noch auf unserem Planeten zu finden sind, werden im Elend leben.“

Dr. Gregor Hagedorn

Das ist eine Zukunft, die ich nicht für meine Kinder will. Welche Art von Zukunft wollen Sie den nachfolgenden Generationen übergeben?

Wollen Sie als die Bundeskanzlerin in die Geschichte eingehen, die das Ruder rumgerissen und einen radikalen Klimaschutz auf den Weg gebracht hat?Wollen Sie als die Bundeskanzlerin in die Geschichte eingehen, die den nachfolgenden Generationen eine lebenswerte Zukunft gesichert hat? Oder wollen Sie als die Frau in die Geschichte eingehen, die durch ihr Aussitzen und Zögern die endgültige Zerstörung der Umwelt, die Ausrottung tausender Arten und die Zukunft unserer Kinder auf dem Gewissen hat?

Seien Sie mutig! Üben Sie entschlossen ihre Richtlinienkompetenz aus! Handeln Sie schnell für die Zukunft unserer Kinder!

Briefe an die Bundeskanzlerin – #9

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,

seit 4 Wochen kämpfen wir als Parents For Future bundesweit für eine ausreichende Zahl an Mitzeichnungen und Unterschriften für die Petition 92294 mit dem Titel

Klimaschutz –Verabschiedung eines verbindlichen, sektorübergreifenden Klimaschutzgesetzes.

Unterstützt werden wir dabei von Ortsgruppen der Fridays For Future Bewegung, den Scientists For Future, den Developers For Future und anderen Gruppen, die sich mit dem Zusatz „For Future“und „Extinction Rebellion“für die Zukunft der nachfolgenden Generationen einsetzen. Zusätzlich haben sich mittlerweile auch Prominente wie z.B. Ralph Ruthe, Jan Delay und Udo Lindenberg für die Petition starkgemacht, nicht zu vergessen diverse Geschäfte und Unternehmen, die Unterschriftslisten in ihre Büros und Geschäftsräumen ausgelegt haben.

Und am 04.05.2019, 2 Tage vor Ende der Zeichnungsfrist haben wir es tatsächlich geschafft und das Quorum von mind. 50.000 Mitzeichnungen erfüllt.Das ist für eine Bewegung, die sich erst seit wenigen Wochen organisiert, eine unglaubliche Leistung und zeigt, wieweit das Thema „Klimakrise“ bereits in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist.

Am 1. Mai waren wir mit mehreren „Parents For Future“auf der Demo des DGB in Berlin, um weiter Unterschriften zu sammeln und haben dabei viele Gespräche mit vielen unterschiedlichen Menschen geführt. Von Familien mit Kindern, über Touristen aus dem europäischen und außereuropäischen Ausland, von Jugendlichen bis Senioren mit und ohne Enkelkindern, von Lehrer*innen bis Polizist*innen fanden wir bei den Angesprochenen offene Ohren und die Bereitschaft, die Forderung nach einem sektorübergreifenden Klimaschutzgesetz zu unterstützen. So oft wie an diesem Tag habe ich in meinem Leben noch nie den Satz „Viel Glück und Erfolg dafür. Hoffentlich schafft ihr das.“ gehört.

Die Menschen realisieren immer mehr, dass die Warnungen der Wissenschaftler vor einer Klimakrise begründet sind und aktiv Maßnahmen ergriffen werden müssen, um den jüngeren Generationen einen bewohnbaren Planeten zu hinterlassen.Die Gespräche haben uns auch deutlich gezeigt, dass die Bürger*innen auf den Straßen der Republik große Zweifel daran haben, dass ihre Regierung die notwendigen Maßnahmen auch gegen den Widerstand der Wirtschaft und ihrer konservativen Fürsprecher im politischen Lager angehen wird. Die Allermeisten bemerken sehr deutlich, dass ihr Kabinett sowohl die Phantasie, als auch den Mut vermissen lässt, die notwendig sind, um die Klimaschutzziele, die in Paris von Ihnen und Vertretern der Bundesrepublik Deutschland verbindlich mit vereinbart wurden, einzuhalten.

Deshalb werden wir jetzt weiter dazu mobilisieren, damit die öffentliche Anhörung zur Petition 92294 zeitnah stattfindet und Sie den steigenden Druck aus der Mitte der Gesellschaft spüren. Im Gegensatz zu Ihnen geben wir die Zukunft unserer Kinder nicht kampflos preis.