Nach mehreren Jahren bei den Parents for Future stellten wir uns die Frage: Warum setzen sich große Teile unserer Gesellschaft nicht stärker mit der Klimakrise auseinander? Uns fielen verschiedene Antworten ein. Eine davon: Es liegt an der mangelnden Vorstellungskraft. An der Unmöglichkeit, sich eine Zukunft unter den Folgen der Klimakrise vorzustellen. Das führt dazu, dass wir noch immer viel zu viele politische, ökonomische, aber auch private Entscheidungen treffen, die den Aussichten auf eine „gesunde Welt“ widersprechen.

Die Klimakrise vorstellbar machen

Bild: Jörg Finus

Mit unserer Videokunstausstellung „What Did You Do Once You Knew?“* wollen wir diese Vorstellbarkeit mit bildnerischen, akustischen und sinnlichen Mitteln aktivieren. Wir machen die Klimakrise mit künstlerischen Mitteln als ein Phänomen verstehbar und erfahrbar, das nicht in weiter Zukunft irgendwo anderen Menschen „passiert“. Wir zeigen dass die Klimakrise ein Problem ist, das uns alle betreffen wird oder schon betrifft.

Unsere Videokunstaustellung „What Did You Do Once You Knew?“, die im September 2021
in Berlin gestartet ist, ermutigt die Zuschauer*innen, sich sinnlich, emotional und direkt mit der Klimakrise und ihren Folgen zu beschäftigen – jenseits rein wissenschaftlicher und faktenbasierter Informationen. Diese Auseinandersetzung mittels der Kunst ist für unser Konzept besonders aktuell, weil die Bundestagswahl und anschließende Koalitionsverhandlungen anstehen, die richtungsweisend für die Klimapolitik sein werden.

Künstlerische Intervention im öffentlichen Raum

Mit der Ausstellung als künstlerischer Intervention wollen wir auch Einfluss darauf nehmen, dass Klimaschutzmaßnahmen Priorität bei der Bildung einer neuen Regierung bekommen und dass Menschen die Bedeutung von Klimaschutz verstehen und in Ihre Wahlentscheidung einbeziehen. Aus diesem Grund haben wir den öffentlichen Raum Berlins – vom Regierungsviertel bis Marzahn – als Veranstaltungsort für das Kunstprojekt ausgewählt: Der öffentliche Raum ermöglicht einen unmittelbaren und größeren Zugang zu potenziellen Zuschauer*innen.

Wir werden die Videokunstwerke auf Berliner Fassaden in Wohngebieten, in Szenekiezen und in Einkaufsstraßen zeigen. Wir möchte mit außergewöhnlichen künstlerischen Beiträgen auch das Interesse von Presse, Medien und Social Media wecken und damit unser politisches Anliegen bekannter machen.

Die Teilnehmer*innen sind: Metasitu: Liva Dudareva, Eduardo Cassina (LV, ESP, GR), Jörg Finus, Peter Simons (DE) Olga Drachuk-Meyer (UA, DE), Luis Cassiano Sanduba (BR).

Jörg Finus und Peter Simons (DE) nehmen an der Ausstellung mit der Videoarbeit „Our House is on Fire“ teil. Die teils plakative Sprache der Arbeit – die die Starrheit unseres Systems darstellt – soll in drastischer Form die Folgen der Klimakrise sinnlich erfahrbar machen.

Metsasitu: Liva Dudareva, Eduardo Cassina (LV, ESP, GR) zeigt in seinem Werk „Tora Bora“ eine visuelle Darbietung der Folgen des Antropozän wie die Erschöpfung der Ressourcen.

Die Künstlerin Olga Drachuk-Meyer (UA, DE) präsentiert im Video ihre Performance „Incarcerated“. Sie konfrontiert die Betrachter*innen mit zwei miteinander verflochtenen Klimakrise-Themen: Grenzen im globalen sozial-politischen Kontext und Grenzen unseres Ökosystems.

Luis Cassiano Sanduba (BRA) untersucht die Strategien der Anpassung an die klimabedingte
Wirtschaftskrise am Beispiel der Großstadt Rio de Janeiro. Der Künstler entwickelt eine
Erzählung über die Beziehung zwischen sozialer Gerechtigkeit und Klima im globalen Süden.
Seine Videoarbeit ist gleichzeitig poetisch und strategisch.

Wer die Videokunstausstellung besuchen möchte, wende sich bitte an die Kuratorin Agnese Sofija Kusmane unter askusmane@parentsforfutureberlin.de.

*Der Titel verdanken wir dem Poeten Drew Dellinger.