Briefe an die Bundeskanzlerin – #12

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,

viel Hoffnung, dass ihre Regierung unser dringendstes Problem angeht, habe ich nicht mehr:

  • Immer noch geht es bei Aussagen zur Wirtschaft um das Thema „Wachstum“.
  • Berichte mehren sich, die zusätzlich zum CO2 vor Methan als gefährlichem Klimagas warnen.
  • Der Wirtschaftsausschuss lehnt einen dringend notwendigen früheren Kohleausstieg ab.
  • Der Bundesrat genehmigt die Verordnung der Bundesregierung zu den Anschlusskosten von LNG Terminals, über die auch Frackinggas aus den USA eingeführt werden soll.
  • Der Ausbau der Windkraftanlagen in Deutschland ist stark rückläufig.
  • Der Kohlendioxid-Gehalt in der Atmosphäre erreicht historische Höchststände.
  • Am nördlichen Polarkreis treten Temperaturen von +25 Grad Celsius auf.
  • In Russland tauen bei +30 Grad die Permafrostböden und setzen Methan und N2O (Lachgas) frei.

Das sind nur einige Fakten und Beobachtungen der letzten 10 Tage. Das sind nur einige Anhaltspunkte wie dringlich ein sofortiger Einstieg in mehr Klimaschutz wäre, wie ihre Regierung es doch weiter beim „Business as usual“ belässt und „Kein Pillepalle mehr“ nur eine weitere Worthülse aus ihrem Mund ist.

Noch immer haben Sie, haben ihre Minister von CDU und CSU und Teilen der SPD es nicht realisiert, dass zusätzlich zu den Schüler*innen und Student*innen von Fridays For Future weitere Gruppen, weitere Generationen erkennen, dass wir uns mittendrin in einer Klimakrise befinden. Immer mehr Menschen quer durch alle Bevölkerungs- und Altersschichten schließen sich Gruppen von Parents For Future über Extinction Rebellion bis Ende Gelände u.v.m. an und unterstützen die Proteste. Wir alle fordern Sie auf:

„Sagen Sie die Wahrheit!“

Klären Sie endlich offen und ehrlich alle Mitbürger darüber auf, dass uns maximal noch 8-10 Jahre bleiben, um unseren Kindern und den nachfolgenden Generationen eine lebenswerte Zukunft zu sichern.

Wir sind bereits bei einer Erderwärmung von 1,1 Co und können eine Begrenzung der Erderhitzung auf 1,5 Co schon kaum noch erreichen, geschweige denn verhindern.

Die Zeiten des Redens, des Debattierens, der Konsensfindung sind vorbei. Die Zeit dafür wurde seit den 80er Jahren und von ihnen ganz persönlich seit 2005 verschwendet. Sie sind tatsächlich seit 14 Jahren Bundeskanzlerin und haben es geschafft, den Klima-Karren so dermaßen gegen die Wand zu fahren, dass keine Zeit mehr bleibt, um für alle beteiligten Parteien akzeptable Lösungen zu finden. Jetzt befinden wir uns quasi schon auf der Intensivstation und müssen, bevor wir an Heilung denken, dem Patienten Erde erstmal das Leben retten. Deshalb muss alles Erforderliche getan werden, um…

…die CO2 Emissionen bis zum Jahr 2035 auf Netto-Null zurückzufahren.

…einen Kohleausstieg bis 2030 zu realisieren.

…bis 2035 eine 100%-ige Versorgung durch erneuerbare Energien zu erreichen.

Das ist ihr Job und als Hilfe und Ansporn wiederhole ich nochmal Picards Tip:

Your sense of morality is the guiding light that people under your command will follow.

Mit freundlichen Grüßen